Vom Bafög…
Es war einmal ein Student im 4. Semester. Viel hatte er bereits gelernt, doch was ihn bei der Bafög-Beantragung erwarten würde, dafür hatte ihn die Uni Musterwald nicht vorbereitet.
Unvoreingenommen schickte er sich an, er war schließlich ein Digital Native, den Bafög-Antrag online zu stellen. Oh Schreck, was musste er da bemerken? Der Prozess der Online-Beantragung bestand einzig und allein aus dem Ausfüllen verschiedener PDF-Dateien am Rechner. “Diese Internetausdrucker”, dachte er sich. Nun ja, er fand sich damit ab und füllte die geforderten Vordrucke aus, schickte den Druckauftrag an den Drucker und verstaute anschließend alles fein säuberlich in einer Klarsichthülle.
Wenige Tage später machte er sich vollgepackt mit den tollen Sachen, die sein Leben schöner machen sollten, auf den Weg zur Uni. Aus Erfahrung wusste er, dass Öffnungszeiten an der Uni Musterwald nicht so genau genommen werden und erkundigte sich im Vorhinein, ob denn auch wirklich jemand da war oder ob gerade alle zu Tisch sind.
Dort angekommen packte er seine fein säuberlich ausgefüllten Dokumente und sämtliche geforderten Nachweise aus. Leider hatte er ein Detail überlesen, so dass zwei Nachweise zurückgewiesen wurden. “Nun gut”, dachte er, können ja die Damen nichts dafür.
Also fuhr er nur halb verrichteter Dinge wieder heim, um die richtigen Dokumente einzupacken. Gesagt getan.
Tags darauf startete er einen neuen Versuch. Bei einem Dokument wusste er aber immer noch nicht so recht, an welcher Stelle ihm bestätigt würde, dass er ein super toller Student ist, der bisher brav alle geforderten Prüfungsleistungen erbracht hat.
Die Damen wussten Rat und schickten ihn mitsamt Formblatt gemäß §48 oder so in Richtung Prüfungsamt. Dort wurde er voller Freude(!) begrüßt und ihn überkam das Gefühl, dass er sich schämen müsse, eine Leistung zu verlangen. Schließlich zahlt er nur 588€ pro Semester und dafür solle er auch noch Service erwarten?
Endlich am Ziel, dachte er zufrieden bei sich, als ihm gesagt wurde, dass er mit diesem Formblatt jetzt zu einem bestimmten Professor zu gehen habe, der ihm dann bescheinigen sollte, dass seine erbrachten Leistungen den üblichen Leistungen zum Ende des 4. Semesters entsprechen.
Das leuchtete ihm ein. Schließlich ist das Credit-Point-System in den Bachelor-Studiengängen überaus undurchsichtig, so dass man keinesfalls z. B. sagen könnte “Am Ende des 4. Semesters muss ein Student mindestens 90 Credit-Punkte vorweisen können, um einen Bafög-Anspruch zu haben.” Natürlich muss das von einem Professor, der ja sonst auch nichts zu tun hat, noch einmal mit einem “Servus” auf der schwarzen Linie bestätigt werden.
Also durchquerte er wieder ein Viertel des Campus´ auf der Suche nach Professor Darfunterschreiben. Sein Büro hat er dann auch gefunden. Leider nur mit Sekretärin drin. Diese war hilfsbereit und legte das Dokument einem Mitarbeiter von Professor Darfunterschreiben vor, der die erbrachten Prüfungsleistungen innerhalb von rekordverdächtigen 15 Sekunden eingehend überprüfte und mit seiner Unterschrift bestätigte.
“Endlich habe ich jetzt alles”, freute sich der Viertsemestler innerlich und stapfte frohen Mutes zurück zu den netten Damen. Voller Stolz legte er das letzte noch ausstehende Dokument vor und wurde in seiner Euphorie sogleich wieder gebremst. “Da fehlt a Kreuzl”. Oh ja, das stimmte. Da hatte der Mitarbeiter von Professor Darfunterschreiben wohl vergessen “kann bestätigt werden” anzukreuzen. Kann ja jetzt nicht so das Ding sein, das Kreuz noch schnell hinzurotzen. Der Nachweis über die Prüfungsleistungen war ja schließlich beigelegt.
Weber hätte sich über die folgenden Sekunden gefreut. Schließlich hat er den Mist erfunden. Unser Student musste nun also ein weiteres Mal, nachdem er ein “Des is doch etz a Witz?” in den Raum geworfen hatte, zu Professor Darfunterschreiben latschen, um das fehlende Kreuz nachtragen zu lassen.
Natürlich war der immer noch nicht da, aber zumindest war sein Assistent jetzt ebenfalls weg. Dass die Sekretärin nicht unterschreiben durfte, braucht hier natürlich nicht mehr erwähnt zu werden.
Und so wird sich unser Student am Nachmittag ein weiteres Mal in die Uni Musterwald aufmachen, um die Suche nach dem verlorenen Kreuz fortzusetzen. Und dabei wird er sich weiterhin fragen, wieso er im Studium lernt, wie man Organisationen effizient und kostengünstig gliedert, während die Uni Musterwald das beste Beispiel ist, wie man es nicht macht.
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Tags: antrag, bafög, bürokratie, Studium, Uni
August 19th, 2010 at 19:51
Ja, das Baföggewirr macht keinen Spaß, weswegen ich das überwiegend meinem Papa überlasse sich da durchzukämpfen
Mein schönestes Erlebnis in Sachen Unibürokratie war mein Studiengenagwechsel, als ich dreimal zwischen Studentenkanzlei und Prüfungsamt hin- und herlaufen musste… (und ich vor zwei Wochen bemerkte, dass ich deswegen ein Fach zweimal im FlexNow hab –> Antrag stellen … juhu)
August 20th, 2010 at 10:01
Das is doch alles ein witz. die verwaltung könnte man wahrscheinlich um 50% zusammenstreichen…
August 26th, 2010 at 10:52
Die BAfög Leute haben allesamt nicht mehr alle Latten am Zaun! Die machen das jedes Mal – riesen Geschichten und MOOORZ Aufwand hast du da regelmäßig. Ich komme jetzt ins dritte Semester und muss den shit jetzt dann auch wieder machen.
Ich glaub die machen das extra. Damit soviel Studenten wie möglich kein Bock mehr auf den Shit haben und es nicht in Anspruch nehmen. Ich stehe kurz davor…
September 13th, 2010 at 13:31
werd´s mir in zukunft auch überlegen… das ist echt der pure wahnsinn
Dezember 23rd, 2010 at 14:53
[...] Urlaub führte uns nach Mallorca. Vier Semester Studieren machen es noch lange nicht möglich, problemlos einen Bafögantrag zu stellen. Die beste Zugansage 2010 verursacht Bauchkrämpfe durch Lachen. Nach der Landung in München [...]