Uni Regensburg geräumt?! *updated 19:02*
23 Dez
Wie man unter dem Twitteraccount von iN00dle lesen kann, ist heute gegen 14 Uhr das Räumungsultimatum von Rektor Strothotte abgelaufen.
Derzeit steht die Presse wohl vor verschlossenen Türen während das Ordnungsamt mit der Räumung begonnen hat. Laut twitter sind derzeit um die 40 Leute im Hörsaal 2. Das WLAN wurde laut iN00dle ebenfalls abgestellt. In Zeiten von UMTS eine eher unwirksame Maßnahme, um Berichterstattung nach außen zu verhindern.
Ich stand am Anfang hinter der Idee, dass man einige Aspekte des neuen Bachelor- und Mastersystems noch einmal überdenken sollte. Nicht, weil ich unzufrieden mit meinem Studiengang war, sondern weil ich, unter anderem durch meine Freundin, mitbekommen habe, wie es in anderen Fakultäten zugeht.
So wie sich die Sache allerdings in den folgenden Tagen und Wochen entwickelt hat kann und will ich mich nicht mehr mit den Besetzern solidarisieren. Angefangen beim H9, der noch zusätzlich zum H2 blockiert wurde was dazu führte, dass einige Übungen in der Künstlergarderobe(!) des Audimax stattfinden mussten bis hin zu massiven Sachbeschädigungen durch bunte Kreide in der gesamten Uni, die von den eh schon unterbezahlten Reinigungskräften wieder entfernt werden müssen. Der Gipfel war dann noch die Sperrung der Durchgänge im Audimax, die nicht nur feuerschutztechnisch ein Problem darstellten, sondern indirekt auch alle Studierenden zwangen, an dem Protest teilzunehmen, indem sie in den H2 umgeleitet wurden, da dies der einzige Weg um die Sperrung herum war.
Die ganze grundlegende Idee aller wurde zu einem Protest um des Protestes Willen von einigen wenigen, die – subjektiv betrachtet – zum allergrößten Teil im linken Spektrum anzusiedeln sind. Von einem Protest “der (= aller) Studierenden” konnte schon seit Wochen keine Rede mehr sein.
So wie es aussieht hat der Rektor nun die Reissleine gezogen. Man darf auf die weiteren Entwicklungen gespannt sein.
UPDATE: Ein Video von der “Räumung” gibt es hier auf youtube zu sehen.
UPDATE2: Die Mittelbayerische Zeitung hat ebenfalls mittlerweile ein Video online.
UPDATE3:
Wie Regensburg-Digital nun berichtet, wird die Besetzung bis 7. Januar 2010 ausgesetzt. Danach wird den Studenten der H2 noch einmal für zwei Tage zur Verfügung gestellt, damit diese die Freigabe des Raumes “prüfen können”. Rektor Strothotte kündigte darüberhinaus an, den Studenten im Anschluss daran einen Hörsaal im Zentralen Hörsaalgebäude zur Verfügung zu stellen.
Ich für meinen Teil enthalte mich bei UPDATE3 einer Meinung…
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Ich bin da voll und ganz deiner Meinung. Grundsätzlich finde ich die Thematik Bachelor/Master auf jeden Fall eher negativ. Zum Anderen sind die Studiengebühren eine der unsinnigsten Errungenschaften der letzen Jahre. Was allerdings in den letzten Wochen in H2 und im gesamten Audimax abging hatte nichts mehr mit sinnvollem Protest zu tun. Das war eine reine Bespaßungsaktion.
Zur Künstlergarderobe: Wir Wirtschaftsinformatiker haben da sogar regulär eine Vorlesung drin. Auch ohne Proteste.
“bis hin zu massiven Sachbeschädigungen durch bunte Kreide in der gesamten Uni” Oh Gott du spielst wahrscheinlich auch mit Wattebäuschen im rosa Polohemd Fußball. Ich selbst hätte keine Probleme damit wenn die Uni die Studiengebühren verzehnfacht – trotzdem ist dieser Protest gut und richtig weil Bildung eine staatliche Aufgabe ist.
In der Verwaltung lacht man übrigens über die lieben, braven Protestler die am Wochenende vor laufenden Webcams ihren H2 staubsaugen und sich nicht einmal getraut haben das Audimax zu besetzten.
Ja Maximilian dann schau dir mal an, was man für einen Meisterbrief hinlegen muss oder was eine Ausbildung zum Rettungsassistenten kostet. Jeder muss für seine Bildung zahlen, aber die Studierenden nehmen nehmen nehmen und wollen nichts dafür geben. Ich bin auch generell für ein gebührenfreies Erststudium, aber nicht für die Finanzierung von denjenigen, die sich dann das 5. Mal umentscheiden. Ich habe auch nie ein böses Wort über diejenigen verloren, die da ihre Abende im H2 verbracht haben und an Forderungen gearbeitet haben, aber ich habe keinen Bock, dass ich – wenn ich durch den Protest in h39 eine Übung bis Punkt14 Uhr hatte, dann um 14 s.t. eine Übung im H15 – auch noch über 40 ecken rennen muss, um einigermaßen pünktlich zu kommen.
Alles reden von Freiheit und merken selbst nicht, dass ihre Freiheit da endet, wo die eines anderen beginnt.
Im Übrigen hast du dich dadurch, dass du gleich persönlich geworden bist, von Anfang an selbst disqualifiziert. Aber du bist ja sicher intelligent und hast das selbst schon längst begriffen.
Also, ich kann nur jedem der Kritik an der Art hat, wie die Proteste laufen und wie besetzt wird, raten, sich doch einfach in Plena zu setzen und dort etwas zu ändern. Sich in ein solches Plena zu setzen hat nicht wirklich was damit zu tun, dass man sich an den Protesten beteiligt, vielmehr hat es was mit Mitbestimmung und Meinungsbildung zu tun. Ich versteh natürlich, dass viele abgeschreckt sind, durch die vermeindlich linke Richtung der Plena, aber ich denke wir stehen doch gemeinsam dahinter, dass sich bildungspolitisch definitiv etwas tun muss; und unter diesem Gesichtspunkt müsste einem die politische Einstellung des Gegenüber doch herzlich egal sein.
Die Abstimmung der VV hat den Besetzern die Legitimität gegeben und wenn man diese wieder auflösen oder beschränken, oder was auch immer, will führt halt kein Weg an einer basisdemokratischen Abstimmung vorbei.
mfg
…
Dieses Argument mit anderen kostenpflichtigen Ausbildungen (Stichwort Meisterrbrief) funktioniert im Zusammenhang mit den Strudiengebühren leider nicht wirklich.
Es gibt zig Ausbildungen die schon immer kostenpflichtig waren. Da gehört beispielsweise auch die Ausbildung zum Verkehrsflieger (Pilot) dazu.
Allerdings weiß das zum einen jeder Interessierte seit Jahrzehnten und kann dementsprechend dafür sparen.
Wenn man Deiner Logik folgt kann man zukünftig alle Ausbildungsstätten die bisher staatlich finanziert sind mit Gebühren belegen. Warum sollte man bei Hochschulen halt machen? Kindergärten, Grundschulen, Gymnasien. Überall könnte man Gebühren verlangen.
Überdies wird man ja nicht steuerlich entlastet wenn man als Student Studiengebühren bezahlt hat. Ich wäre sofort mit 10.000 Euro Studiengebühren einverstanden, wenn mich der Staat anschließend durch ein Steuerguthaben entlasten würde.
Ist aber nicht der Fall. De facto wird man zweimal zur Kasse gebeten.
Zum ersten Mal: Vielen Dank für die Kommentare und Beiträge eurerseits.
Leider meinte auch der ein oder andere er müsse beleidigend und persönlich werden. Diese Kommentare habe ich bewusst nicht freigeschalten. Ich will nicht, dass dieser Blog hier wie rekiss.de endet und von Trollen bevölkert wird.
@…
Ich habe desöfteren den Livestream verfolgt und mit eigenen Augen gesehen, wie sinnvoll diese basisdemokratische Art und Weise ist. Da wurde z. B. mal 45 Minuten diskutiert, ob man sich mit einem Schreiben der LMU solidarisiert und seinen Servus drunterhaut. Nein danke, da verbringe ich meine Zeit lieber sinnvoller.
@Meisterbrief
Wenn ich Studieren will, dann weiß ich das ab sofort auch im Voraus, dass Gebühren auf mich zukommen. Ich bin wahrlich nicht reich, aber wer seinen Arsch hochbekommt, der kann auch die Studiengebühren aufbringen. Nichtsdestotrotz stimme ich mit dir überein, dass ein Erststudium für Jedermann gebührenfrei zu absolvieren sein sollte.
Noch zu der Doppelbesteuerung: Die ist in unseren Land ja an mehreren Punkten präsent. Siehe Kraftstoffe… Ökosteuer auf den Preis + Mwst. nochmal oben drauf oder Erbschaftssteuer. Dieses Einkommen wurde ja damals, als es verdient wurde auch schon einmal besteuert… gibt`s wahrscheinlich noch zig andere Beispiele…
Ein gebührenfreies Erststudium finde ich nicht ganz so erstrebenswert. Ich finde durchaus, dass man den Studenten zeigen sollte, dass das Studium Kosten verursacht. Dadurch bekommt man die Abiturienten auch dazu genau zu überlegen was sie studieren wollen. Ich bin BWLer und gerade hier sitzen massig Leute die nicht wissen was sie aus Ihrem Leben machen wollen.
Allerdings finde ich eben dieses selbstverständliche zweimal Kassieren unmöglich. Wenn es das auch bei der Ökosteuer etc. gibt dann frage ich mich warum wir (als Staatsbürger) sowas mitmachen? Die Studentengeneration vor uns, zu der auch mein Bruder gehört hat ohne Studiengebühren studiert und die gleiche leistung bekommen. Ich habe mit meinem Bruder der 2005 mit BWL fertig geworden ist ein wunderbares Beispiel vor Augen. Deswegen eben mein Gedanke mit der Steuergutschrift.
Daneben halte ich Studiengebühren nur sinnvoll wenn eine vernünftiger Verwendungsmöglichkeit existiert. Ich bin gleichzeitig auch SHK. Ich bekomme an dem Lehrstuhl mit, dass es scheinbar keine Verwendungsmöglichkeit für die Gebühren mehr gibt. So wird das Geld für Dinge verwendet die früher nicht möglich waren und höchstwahrscheinlich auch NICHT sinnvoll sind. Wie etwa Seminare im Ausland. Oft wäre es gar nicht nötig ins Ausland zu fahren. Du bist auch an der Uni Regensburg. Dann dürftest Du vom Finca-Seminar auf Mallorca schon gehört haben. Oder das Honors Seminar in Boulder Colorado. Warum müssen die alle in die USA fliegen? Kann der Referent nicht auch nach D fliegen? (Wobei gut sein kann, dass das letztere durch Firmenspenden bezahlt wird)