Der folgende Post ist einzig und allein meine persönliche Meinung und stimmt nicht zwingend mit der Meinung der Wasserwacht überein. Ich gehe im folgenden von dem veröffentlichten Pressebericht aus. Für dessen Richtigkeit kann ich natürlich nicht garantieren.
*Update*
Der Pressebericht scheint nicht so ganz der Wahrheit zu entsprechen, was meine Einschätzung natürlich völlig über den Haufen schmeißt. Es war nicht so, dass die Damen zu der Person hingeschwommen sind, sondern nur eine der Retterinnen, die – was ebenfalls im Pressebericht fehlt – Rettungsschwimmerin ist, zu der Geretteten hingewatet ist und diese bis zum Eintreffen der Rettungskräfte festgehalten und an Land gebracht hat. Die Passantinnen haben somit vorbildlich und, entgegen meiner Darstellung, unter Beachtung des Eigenschutzes gehandelt. Ich entschuldige mich hiermit für meine falsche Einschätzung der Lage, die aber – wie schon erwähnt – nur auf dem Pressebericht beruhte. Zum besseren Nachvollzug lasse ich den Artikel trotzdem weiterhin online.
*Update Ende*
Gestern wurde ich mit der Wasserwacht zu einem SEG-Einsatz alarmiert. Grund dafür war, laut Presseberichten, eine Frau, die in die Donau gesprungen war. Noch bevor wir circa 8 Minuten nach Alarmierung von der Wache ausrücken wollten, wurde der Einsatz eingestellt, da die Person “bereits in Sicherheit” wäre. Gerettet wurde die Frau durch zwei Passantinnen, die in die Donau sprangen. Im Übrigen haben wir gerade (30.03.10 – 9:40 Uhr) 8,6°C Wassertemperatur.
Analysieren wir die Situation, wie sie sich wohl zugetragen hat. Die Gerettete sprang in suizidaler Absicht vom Eisernen Steg in die eiskalte Donau und diese zwei Frauen sehen sie Sekunden (Minuten?) später leblos in der Donau treiben.
Was nun passiert ist in seinem Ergebnis in den höchsten Tönen löblich, objektiv gesehen jedoch absolut falsch. Beide Frauen schwimmen zu der Person und ziehen diese in einer selbstlosen Rettungsaktion aus dem Wasser.
8,6°C ist als Lufttemperatur schon ziemlich kalt, im Wasser ohne Schutzmaßnahmen wie einem Neoprenanzug fast nur unter Schmerzen zu ertagen. Ich weiß wovon ich rede, denn ich teste es selber einmal pro Jahr. Bei diesen Wassertemperaturen dauert es nur wenige Augenblicke bis der Körper so weit ausgekühlt ist, dass Bewegungen – und somit schwimmen – so gut wie unmöglich werden. Die Gefahr der Bewusstlosigkeit ist natürlich auch gegeben, auch wenn dies ein wenig länger dauert.
Ich habe mich mit mehreren Wasserrettern, so wie auch ich einer bin, unterhalten und wir kamen alle zu dem gleichen Schluss, dass eine solche Rettungsaktion auf keinen Fall ungesichert zu empfehlen ist, zumal die Wasserrettung oft schon nach 5 Minuten am Schopperplatz einsatzklar ist. 5 Minuten, die – und das gebe ich zu – oft über Leben und Tod entscheiden können, die aber auch das Leben der zwei Passantinnen nicht in Gefahr gebracht hätten.
Mir ist klar, dass die Helferinnen bei dieser Aktion nicht lange überlegt und abgewogen haben, aber genau das ist es, was man bei der Wasserwacht eingetrichtert bekommt. Eigenschutz steht über allem. Niemandem wäre am gestrigen Tag geholfen gewesen, wenn die Wasserrettung nach eben jenen oben genannten 5 Minuten drei Bewusstlose, eventuell sogar reanimationspflichtige, Personen hätte retten müssen.
Man kann sich eigentlich nur immer wieder wundern, dass diese Aktionen zu (gefühlten) 90% ein gutes Ende finden. Zivilcourage ist, auch wenn sie – wie in diesem Fall – objektiv gesehen nicht zu begrüßen ist, selten geworden.