Das neue Semester ist drei Tage alt und könnte schon im Strahl kotzen. Da ich in der Vergangenheit ja schon öfter mal die Ehre hatte, dass mir irgendwelche Rechtsfolgen drohen könnten, werd ich hier weder Namen noch Institutionen nennen. Ich möchte einfach mal einen Tatsachenbericht abliefern, wie mein Semester bisher verlaufen ist.
Wie ihr wisst, bin ich bei einem produzierenden Unternehmen Werkstudent. Dort bin ich als geringfügig beschäftigt angestellt und der Gesetzgeber verlangt deshalb anscheinend (hab mich da nicht näher schlau gemacht), dass ich 1. keine Überstunden aufbauen darf und 2. in jeder der vier Wochen pro Monat einmal (nicht öfter und nicht weniger) im Betrieb bin. Natürlich hätte ich mir auch nen “normalen” Werkstudentenvertrag geben lassen können, dann mehr arbeiten als ich es jetzt tue und im Endeffekt dann weniger Kohle bekommen, weil mir das Bafög gekürzt würde und ich n Fuffi pro Monat in die Krankenversicherung einzahlen dürfte. Was sagt der Herr BWL da? Richtig, am Arsch! Arbeitstechnisch bleibt mir also nichts Anderes übrig als die Umstände so hinzunehmen wie sie sind. Bisher gab’s damit ja auch kein Problem.
Ausgangslage für meinen Stundenplan in diesem Semester war dann also einen Tag pro Woche mindestens frei, damit ich arbeiten kann. Wie sich herausstellte hatte ich das Glück, dass ich sogar am Donnerstag und Freitag keine Veranstaltungen haben würde. Zwei “freie” Tage, die sich 1. für die Semesterbegleitenden Leistungen und 2. für die Arbeit nutzen lassen würden.
Wie sich nun in den vergangenen zwei Tagen herausstellte, habe ich in sämtlichen Fächern (an der Zahl vier) eine SBL – also eine semesterbegleitende Leistung – zu erbringen. Das Problem an dem Gedöns ist, dass man so gut wie nie in Veranstaltungen fehlen darf / kann, weil ein Fernbleiben sofort mit einer 5,0 bzw. mit 0 von max. 5 zu erreichenden Bonuspunkten bestraft wird. Ich fühle mich wie damals in der 7. Klasse, wenn ich mal meine Lateinvokabeln nicht gelernt hatte.
Nun habe ich letzte Woche meinen Flug nach England gebucht, gestern das Shuttle zum Flughafen bestellt und war eigentlich ganz zufrieden. Drei Tage in der Uni powern, danach einen Tag arbeiten und einen weiteren Tag frei, um mich um die SBLs zu kümmern.
Heute stellte sich dann heraus, dass der Lehrstuhl einer Veranstaltung, für die im Vorlesungsverzeichnis vier Übungen angeboten wurden, einfach einmal beide Dienstagsübungen gestrichen hat und nur noch die Donnerstagsübungen im Angebot hat. Wär ja nicht weiter schlimm… würde ich einfach nicht hingehen oder einfach zukünftig am Freitag arbeiten. Das Problem ist jetzt nur, dass jedes Fernbleiben eine 5,0 als Note nach sich zieht. Wenn ich jetzt also drei Mal nicht in der Übung erscheine (2 mal Flug nach London woraus folgen würde, dass ich bereits am Donnerstag in die Arbeit muss + z. B. einmal krankheitsbedingtes Fernbleiben) folgt daraus dreimal eine FÜNF… Wenn man von 8-10 Übungen in diesem Semester ausgeht, macht sich das schon einmal ziemlich scheiße, was den Notendurchschnitt für die SBL in diesem Fach angeht. Dieser zählt zwar nur zu 25% zur Endnote (75% Klausur), aber gerade für den Master habe ich mir hohe Ziele gesteckt, die ich bereits jetzt nach drei Tagen schon fast wieder nach unten korrigieren kann.
Viel Blabla ohne irgendeine Aussage, ich weiß. Der Punkt, auf den ich hinaus möchte, ist der, dass von uns Studenten zu jeder Zeit verlangt wird, dass wir organisiert arbeiten, dass wir Praktika machen und Berufserfahrung sammeln, dass wir uns außerhalb der Uni weiterbilden, dass wir Excel-, Rhetorik- und Assesmentcenterkurse besuchen und dann organisiert man sich, tüftelt aufgrund des Vorlesungsverzeichnisses (das übrigens Wochen vor Semesterstart schon fertig ist) den perfekten Stundenplan aus, damit man alles unter einen Hut bringt (Ehrenamtliche Tätigkeiten nebenbei schaden dem Lebenslauf auch nicht, wird gemunkelt…) nur damit dann die Damen und Herren daherkommen, um zwei Übungen wegen Überschneidungen (die anscheinend erst zwei Tage nach Semesterstart offensichtlich geworden sind m() mit einem Wahlfach (unseres ist ein Pflichtfach) einfach so zu streichen. Und dann folgt die Moral von dieser Geschichte. Mit einem “Werkstudententätigkeit ist kein Grund, um Übungen zu verlegen” (gemeldet hatten sich ca. 10-15 Betroffene von ca. 60 Teilnehmern) wird man gezwungen, eine der Übungen am Donnerstag zu besuchen. Aber man muss ja nicht hingehen. Kassiert man halt ne 5,0. Friss oder stirb!
Zum Schluss möchte ich noch Jürgen von der Lippe zitieren: “Arschlecken und Rasieren? 2,50 DM”. In diesem Sinne möchte ich all die Übungsleiter/Innen beglückwünschen, die keinen Nebenjob nötig haben, weil ich sie anscheinend einen genügend großen Anteil von meinen 500€ Studiengebühren abbekommen. Service am “Kunden”? – hamwa hier nisch!